Studien – und Berufswahl

Nicht weniger als 17.000 Studiengänge und etwa 330 anerkannte Ausbildungsberufe winken unseren Schülern in der heutigen Zeit. Insofern ist es ein Meer von Möglichkeiten, in dem erste „Paddelversuche“ unternommen werden wollen. Einerseits kann eine solche Vielfalt zuversichtlich stimmen, andererseits ist damit jedoch auch ein gewisser Erwartungsdruck verbunden. So werden Fragen der Berufsorientierung oft auf die lange Bank geschoben. Das hohe Maß an Flexibilität, Selbständigkeit, lebenslanger Lernfähigkeit, Frustrationstoleranz und Belastbarkeit, was unseren Schülern – den zukünftigen Arbeitnehmern – in der heutigen Berufswelt abverlangt wird, ist für sie oftmals nichts weiter als ein ferner Unkenruf.

Angesichts steigender Anforderungen und enormer Auswahlmöglichkeiten stellt sich doch die Frage: Welche Orientierung kann die Schule bei der Beantwortung auf eine lebensbiografisch so wichtige Frage wie die der Studien – bzw. Berufswahl schaffen?

Am Gymnasium Otterndorf ist angesichts dieser Fragestellung aus der Feder von Herrn Söker ein Konzept zur Studien – und Berufswahl entstanden, um Schülern bei der Wahl des künftigen Berufes unterstützend und beratend zur Seite zu stehen.

Ein Baustein dieses Konzeptes ist der kontinuierliche Zugang zu Informationen bezüglich aktueller Entwicklungen der Studien- und Ausbildungswege. Ganz wichtig hierbei: der Blick über den berühmtberüchtigten Tellerrand hinaus! Dazu veranlasst zum Beispiel unser „Informationsstand Berufsorientierung“ – fortwährend auf den neuesten Stand gebracht von Herrn Hötzel, in direkter Nähe zum Oberstufenbrett.

Auch die regelmäßige Teilnahme an zahlreichen Messen zur Studien – und Berufswahl kann für eine Perspektivenerweiterung sorgen. Ein Beispiel hierfür wäre der Besuch des Hochschulinformationstages in Oldenburg, bei dem die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in diverse Studienrichtungen erhalten, aber auch zu allgemeinen Themen „Schnuppervorlesungen“ besuchen können wie: „Hochschulreife – und dann?“, „Wie geht Studieren?“, „Wie finanziere ich mein Studium?“, „Von welchen Erfahrungen können Studierende berichten, die ein Auslandssemester absolviert haben?“. Der Besuch von Berufsorientierungsmessen wie „Flagge zeigen“ und „Aus der Region für die Region“ (in den eigenen Hallen des Schulzentrums), bei denen an Informationsständen Ansprechpartner direkt über diverse Ausbildungsmöglichkeiten berichten, runden das Angebot ab.

Zudem finden Gastvorträge statt, die weitere Möglichkeiten offenlegen. So hat sich zuletzt z.B. die Hochschule 21 aus Buxtehude vorgestellt um den Schülern das „duale Studium“ näher zu bringen.

Damit in der Informationsflut nicht die Wegweiser untergehen, steht Frau Braun von der Arbeitsagentur mit kompetentem Rat in persönlichen Beratungsgesprächen direkt vor Ort zur Seite. Sie beschäftigt sich mit konkreten Berufs-und Studienwünschen, hilft aber auch ganz Unentschlossenen weiter. Es sei am Rande erwähnt, dass übliche Wartezeiten in den Räumlichkeiten der Arbeitsagentur durch ihre regelmäßige Präsenz direkt vor Ort somit natürlich hinfällig werden. Ergänzt wird ihr Angebot durch Gruppenberatungstermine, die je nach Bedarf und Interesse zu Themen stattfinden, wie: „Wie finde ich einen passenden Studienplatz“, „Studienangebote ohne Numerus Clausus“, „Auszeit nach dem Abi“ oder auch „Hilfen zur Berufswahlentscheidung“.

Wem dann vielleicht schon ein konkretes Ausbildungs- oder Studienziel winkt, kann an dem Bewerbungstraining der „Kreissparkasse Wesermünde-Hadeln“ oder der „AOK-Niedersachsen“ teilnehmen und sich gezielt auf den Umgang mit Einstellungstests, und Vorstellungsgesprächen vorbereiten sowie Tipps für konkrete Bewerbungssituationen wie auch allgemeine Hinweise für den Einstieg in den Beruf erhalten.

Die oftmals ersten eigenen Erfahrungen mit der Berufswelt – weit weg von der Schulbank, werden derweil im Berufsorientierungspraktikum der 10. Klasse gesammelt. Während erste Eindrücke von Betriebsstrukturen und Arbeitsabläufen entstehen, sind die Schüler angehalten, ihre Erfahrungen im Hinblick auf eigene Stärken und Schwächen zu reflektieren. Vorbereitet und koordiniert wird das Praktikum durch Frau Kaiser, die mit Rat und Tat die Betreuung der Schüler in dieser Phase gewährleistet. Weitere Beiträge zur Studien-und Berufsorientierung leisten darüberhinaus die Kollegen, die in ihrem Fachunterricht u.a. weitere Selbstreflexion der Schüler einfordern, Präsentationstechniken einüben, gegenwärtige Entwicklungen der Arbeitswelt thematisieren, Fremdsprachenkenntnisse vermitteln und Bewerbungsschreiben anfertigen lassen.

Mit etwas Engagement und Eigeninitiative können so aus den einstigen Paddelversuchen im „Meer der Möglichkeiten“ Entdeckungsreisen werden, bei denen man sich von der ein oder anderen Strömung nicht unterkriegen lässt und einen sicheren Hafen finden wird.

Um das Konzept zur Studien-und Berufswahl am Gymnasium Otterndorf weiterführend zu verbessern und aktuellen Entwicklungen zu entsprechen, nehmen die zuständigen Lehrer an Veranstaltungen zum Informationsaustausch und zur Weiterbildung teil.

Franziska Zamzow